Vereinsgründung als Ausweg – Warum neue Strukturen notwendig sind!

Ich erlebe ständig und immer wieder bei Vorträgen, Gesprächen und Seminaren immer das gleiche Argument: „Die alten Strukturen und die ehrenamtlichen Helfer wehren sich permanent vor Fortschritt oder Veränderungen.“ Ist das wirklich so oder steckt dahinter eine andere Prägung oder Ideologie?

Es ist für mich schon verwunderlich und fast schon nervig, wenn ich immer und immer wieder auf dasselbe Argument stoße. Du kennst das vielleicht vom Training geben, wenn du das gleiche tausendfach wiederholen musst: „Passt auf das auf, beachtet dieses, tut nicht das, es ist nicht richtig, …“ – schon nervig, oder?

Gerade die jüngere Generation, also die 20 – 30-Jährigen fühlen sich oft nicht wirklich wahrgenommen oder fühlen sich in den alten Strukturen verloren. Auf der einen Seite werden sie von der älteren Generation ermuntert auch mal mit anzupacken und auf der anderen Seite wird dann aber nicht gewollt, wenn wirklich angepackt und verändert wird. Warum fühlen sich die Jüngeren missverstanden und die Älteren vor dem Kopf gestoßen? Ich sehe hier einen offensichtlichen Punkt, der zwar oft gedacht, aber nicht wirklich ausgesprochen wird.

Warum möchte die ältere Generation nicht, dass die neue Generation die Zügel in die Hand nimmt?

Die alten Strukturen haben die Vereine dahin geführt, wo sie heute stehen. Vereine gelten als gemeinnützige, kommunikative Austauschplattformen und stehen für ehrenamtliche Arbeit. Wer in einer neuen Stadt wohnt, der meldet sich im Verein an, um sozialen Kontakt zu erhalten. Das ist positiv, da der Grundsatz „Sport verbindet“ immer noch zählt und gilt! Das Grundproblem beginnt in der Aufzählung der Werte und den einhergehenden Fragestellungen:

Welche Werte sind zukunftsfähig wichtig, um auch in den nächsten Jahren eine tragende Rolle zu spielen?

Wir sind im 21. Jahrhundert und es entwickelt sich heute alles so schnell. Früher haben sich Veränderungen über Jahre entwickelt und heute sind Veränderungsprozesse oder Weiterentwicklungen innerhalb von 6 – 12 Monaten abgeschlossen. Ein Trend, Hype oder eine fundamentale Neuerung erscheint und wir gewöhnen uns sehr schnell daran. Die ältere Generation tut sich extrem schwer und kann mit der rasanten Entwicklung kaum Schritt halten. Die Angst vor Veränderung liegt in uns Menschen. Wir sind Gewohnheitstiere und scheuen uns vor Veränderung, weil es existenzielle Auswirkungen haben könnte. Was funktioniert, das soll auch weiter funktionieren. Veränderungen sind da nicht gewünscht.

Wenn wir heute auf die Werte von Vereine blicken, dann fällt auch auf, dass fast jeder einen Verein mit alten und angestaubten Strukturen verbindet und kaum von Innovation und Neuerungen gesprochen wird.

Es gibt natürlich auch positive Beispiele, wenn ein/e Vereinsgründer/-in sich entscheidet einen Sportverein gleich mit modernen Strukturen zu eröffnen und dabei auf die Vorteile eines eingetragenen Vereins zurückgreift. Dann entsteht Innovation und zeitgemäße Neuerung, die es in historisch wachsenden Vereinen nicht gibt.

Der Sportmarkt ist hart umkämpft!

Viele junge Menschen wollen und können sich nicht mehr im Vereinsleben integrieren, weil sie die zeitliche Ressource nicht mehr aufbringen können, um als Ehrenämter zur Verfügung zu stehen oder die Leidenschaft ist zu groß und die Möglichkeit ist zu klein, um daraus ein Hauptamt zu entwickeln. Die Lösungen sind meistens Neugründungen außerhalb des Vereinswesen, auf kommerzieller Basis. Der Sportmarkt boomt und die Menschen haben zum Glück erkannt, dass ein gesunder Körper Kapital für erfolgreiche und nachhaltige Arbeit ist. Die Angebote entstehen wie Pilze aus den Boden. Wer sich langfristig halten kann, das wird sich zeigen, aber es gilt als Verein dagegen zu steuern und weiterhin als ernsthafter Anbieter am Markt zu bleiben, um nicht in der Bedeutungslosigkeit verloren zu gehen.

Vereinsgründung als Ausweg oder doch Änderungen einleiten?

Die aktuellen Vereine, die teilweise mehr als 100 Jahre bestehen, stehen also vor der Wahl, ob sie die junge Generation nun endlich mitentscheiden lassen und offen für Veränderungen sind, oder ob sie weiterhin den Status quo aufrechterhalten wollen. Meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Weg. Die Digitalisierung und die Möglichkeiten an Sportangeboten werden immer vielfältiger. Vereine sollten die Chance nutzen, um das in den Angeboten und den Managementbereichen zu integrieren.

Der Trainer macht weiterhin den Unterschied, aber auch andere Bereiche schaffen den Unterschied.

Ich möchte dir ein Beispiel nennen, um es zu verdeutlichen: Informationen im Training werden oftmals per Handzettel oder nur mündlich weitergegeben. Eine Umstellung auf einen Newsletterversand ist im Vereinswesen noch nicht weit verbreitet. Heutzutage bekommen wir viele Werbemails, aber von unserem eigenen Verein noch sehr selten. Gerade Vereine könnten z.B. in monatlichen Newslettern aber verschiedene Themen kommunizieren und sich hierdurch die Druckkosten sparen. Darüber hinaus freut sich auch die Umwelt ;-). Es spricht nichts dagegen für besondere Anlässe weiterhin Handzettel auszudrucken, aber wiederkehrende Informationen können via E-Mail nun mal vereinfacht und viel schneller mitgeteilt werden.

Neue Ideen sind gefragt und werden auch geboten, nur müssen die „Älteren“ auch wirklich wollen. Der Widerstand ist oftmals so groß, dass der jungen Generation nur die Verzweiflung bleibt oder der Ausweg der Neugründung eines eigenen Sportvereins steht an, um die Ideen wirklich umzusetzen. Ich wünsche mir, dass die Verzweiflung weicht und habe die Hoffnung, dass dieser Artikel sehr oft geteilt wird, damit wir viele Menschen erreichen und ein Umdenken zu erzeugen.

Ich selber habe mich damals ebenfalls für eine Neugründung entschieden, weil ich in den Vereinen meiner Region damals keine Entwicklungs- und Potenzialmöglichkeiten gesehen habe. Dadurch ist heute ein Mehrspartenverein mit hauptamtlichen Mitarbeitern entstanden, die als Team neue Ideen und kreative Entwicklungsmöglichkeiten erhalten. Landesverbände und andere Vereine schauen erstaunt, wie ein Verein in so kurzer Zeit so erfolgreich werden konnte. Ich fördere und unterstütze Neuheiten, weil das bei den Mitgliedern extrem positiv wahrgenommen wird und wir nicht als angestaubter Verein in den Köpfen hängen. Gerne tauschen wir uns persönlich aus – hier klicken.

Entscheidet aber selbst wie ihr vorgehen möchtet und welche Wege ihr in Zukunft beschreitet. An die „ältere“ Generation, die das hier liest, bitte ich um Verständnis und zukünftige Offenheit und Unterstützung für neue Ideen. Lasst uns die Denkweisen und Einstellungen in Zukunft verändern.

 

 

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